• ramonasuermann

Nepal 2017

Aktualisiert: 17. März 2019




Nepal 2017


„Was wollen Sie denn in Nepal?“

Schmunzelnd antworte ich „Ich möchte die Landschaft sehen.“


Abreisetag - Frankfurt am Main - Sehr freundliche Dame am Check-In

„Ahhh….. Sie fahren nach Nepal“.

„Ja - antworte ich - waren Sie schon mal da?“

„Einmal???? Mehrfach!!! Ich würde sofort wieder mit kommen. Wenn Sie dreckresistent sind, werden Sie dieses Land lieben. Es ist einfach ein Traum.“

Die Worte „dreckresistent“ und „Traum" in einem gemeinsamen Zusammenhang wecken meine Neugier.


Kathmandu

Als wir aus der Maschine steigen atme ich warme, versmogte Luft ein. Eine Frau fegt den Boden des Flughafens (also draußen nicht drinnen). Die Buchsbäume sind in hübsche Tiere zurecht geschnitten. Die Scheiben sind saudreckig. Erste Fragezeichen über meinem Kopf.

Das Gepäckband ist nicht weit und überall liegt Gepäck rum. Also fremdes. In allen Ecken. Blickt hier noch jemand durch?

Die sanitären Anlagen auf dem Flughafen wollte ich an sich nicht erwähnen. Der europäische Standard ist für drei Wochen aus meinem Kopf verschwunden. Rückwirkend betrachtet waren diese Anlagen echt top und wir hatten fließendes Wasser.

Unsere Koffer landen auf dem Gepäckband und wir passieren die erste Kontrolle. Donnerwetter! Bei all dem Chaos kontrollieren die Mitarbeiter den Namen des Koffers mit meinem Pass und meinem Ticket. Wer hätte das gedacht. Auf allen Flughäfen der Welt hätte ich bisher mit J Lo´s Gepäck abhauen können und in Kathmandu wird das kontrolliert. Respekt!

Es vergehen circa weitere 20 Minuten vom Flughafen zum Hotel. Polizisten sorgen für Ordnung an den Kreisverkehren. Ampeln sehe ich nicht. Motorräder ohne Ende. Der Fahrer trägt einen Helm, alle anderen Beifahrer nicht. Alle anderen deshalb weil sie manchmal zu viert drauf sitzen (inkl. Kinder). Es geht also auch so. Kühe überqueren die Straße und natürlich etliche Hunde. Ziegen sehen wir auch. Wir befinden uns hier in der Hauptstadt. Das Hotel liegt direkt am Thamel Viertel. Tausende kleine Händler, unzählige Restaurants. Überall in den Gassen Gebetsfahnen. Wirres Kabelgewirr überall. Dreiräder überholen uns. Offene Garküchen. Gerupfte Hühner werden direkt an der Straße angeboten.

Wir laufen und laufen. Immer weiter. Immer mehr rein. Am Krankenhaus vorbei. Kurzer Gedanke „Wir wollen nicht krank werden“. In einer Seitenstraße hängt ein Schild an der brüchigen Hauswand. Restaurant steht darauf. Ein kurzer Blick durch die Tür. Die Tür ist etwa 1,70 m hoch. Ein sauberes Weinglas steht auf der Theke. Das birgt Hoffnung. Wir schauen uns an und gehen rein. Natürlich stoße ich mir dir Birne.

Ein Mann kommt und wir fragen „Is this a Restaurant?“. Er antwortet „Yes“ und zeigt mit dem Finger nach oben. Wir klettern die Leiter eine Etage höher. Geduckt schauen wir uns an und ziehen die Schuhe aus. Wir schauen aus dem Fenster und klettern weiter höher. Bis ins Dach. Kissen liegen auf dem Boden, die Decke ist knapp 1,80m, Ventilatoren hängen an der Decke. Wir gehen raus auf den Balkon. Im Innenhof steht eine alte Mischmaschine, ein altes Fahrrad. Überall Staub. Das Nachbarhaus ist wohl bewohnt, hat aber erhebliche Risse im Mauerwerk. Also circa 3 cm breite Risse.

Wir nehmen im inneren Platz und lehnen uns an die Hauswand und bereuen es sofort. Es ist nur eine Spanplatte, die leicht nachgibt. Das ist also die Trennwand zum Nachbarhaus. Natürlich erhaschen wir einen Blick und öffnen das Schloss der Tür. „Ist das Hausfriedensbruch?“ fragen wir und blicken uns fragend an. Wir entscheiden einstimmig „Nein“.

Hinter der Tür hängt Wäsche. Geschirr liegt zum Spülen dort. Es ist Geröll und Stein zu sehen. Eine Matte liegt auf dem Boden. Staub. Staub. Staub. „Da leben Menschen?“

Wir hören Schritte und schließen die Tür schnell wieder. Der Kellner übergibt uns eine (auch wirklich nur eine) Speisekarte. Obwohl sie auf englisch geschrieben ist, verstehen wir nur Bahnhof. Plötzlich sind wir zu Vegetariern mutiert und bestellen wild von der Karte alles was er uns als vegetarisch verkauft. Er ist so glücklich, wir haben fast den Eindruck wir würden ihn mit unseren fragenden Gesichtern und unserer Unwissenheit total beeindrucken.

Das Essen kommt und „not spicy“ bekommt eine neue Dimension. Unser Gaumen fliegt weg. Die Nase läuft und unsere Gesichtsfarbe wird knallig rot. Doch die Laune ist gut. Wir lachen alle.

„Das tötet die Bakterien“ sagt eine von uns. Prima, immer her damit.

„Meint Ihr uns geht es morgen gut?“ Zweifel machen sich breit, ob es tatsächlich so eine gute Idee gewesen ist, gleich am ersten Tag mit Nepali-Essen anzufangen.

„Wenn dann haben wir es alle“. Gruppengefühle sind schon irgendwie was beruhigendes.

Fazit: Ein Hotelessen wäre nichts für uns gewesen.

Wir klettern ziemlich gesättigt und mit freien Schleimhäuten die Leitern runter ins Erdgeschoss. Die Rechnung kommt. Umgerechnet circa 15 Euro. Vier Getränke und etliche Speisen. Vier Gesichter starren auf die Rechnung und blicken in einen mittlerweile leicht verwirrten Kellner. Wir nehmen zwei 1000 Rupien Scheine heraus. Er sagt, „muss ich wechseln gehen“. Er kann keine 20 Euro wechseln, weil die Scheine zu groß sind. Okay wir machen es anders. Wir suchen kleineres Geld zusammen und geben ihm umgerechnet 4 Euro Trinkgeld, so dass er nicht wechseln muss. „Please come back to me again“ sagt er, verbeugt sich und freut sich sichtlich. Wir verbeugen uns auch, stoßen uns den Kopf am Eingang und sind kurze Zeit ruhig und sprachlos. Die erste direkte Begegnung mit unfassbarer Dankbarkeit.

Irgendwann werden wir müde und stellen fest…. Wir haben keinen Schimmer wo wir sind. Leichte Panik macht sich breit. Ein Polizist weist uns den Weg. In deutscher Manier glauben wir ihm natürlich nicht und gehen unseren eigenen Weg. 15 Minuten später stehen wir an der gleichen Stelle und gehen den Weg, den uns der Polizist empfohlen hat. Keine 500m weiter sind wir am Hotel. Tididididi…. wir schauen beschämt auf den Boden und geloben innerlich Besserung.

Am nächsten Tag gehts um fünf Uhr früh mit Buddha Air zum Rundflug über den Everest. Wenn die Airline Buddha Air heißt, kann ja nichts mehr schief gehen. Die Flüge werden streng chronologisch aufgerufen 1) 102, 2) 405, 3) 101, 4) 602…. Selbstverständlich steht wieder die Putzfrau auf dem Flugfeld und fegt neben der Maschine. Als wir oben am Himalaya ankommen, wird uns von jeder Stewardess im Sekundentakt gezeigt, welcher Berg gerade zu sehen ist. Die Frage am Ende „Did you See the Everest?“ wurde etwa 15tausend Mal gestellt.

Weiter gehts mit Tempeln und mit Bakthapur. Viel ruhiger als Kathmandu. Viel mehr getroffen vom Erdbeben.

Kriegsreporterin hätte ich nicht werden dürfen. Mir wird das erste Mal schlecht. Überall Schutt. Teilweise nur noch Hauswände. Hühner stehen auf den Schuttbergen. Kinder laufen um die Hauswände und spielen. Frauen waschen sich an Wasserstellen. Sie waschen ihren Kindern die Haare. Shampoo oder warmes Wasser? Fehlanzeige! Ein Handtuch? Wozu? Intimität? Überflüssig!

Eine selbst gebaute Schaukel. Kinder schubsen sich zum Schaukeln gegenseitig an. Der Sitz der Schaukel ist aus leeren Betonsäcken gebastelt. Wer bitte braucht nen Tablet?

Die Kleidung der Menschen ist bunt. Alles andere dreckig und staubig.

Und die Erkenntnis. Die Menschen sind glücklich. Sie sind friedlich. Und herzlich. Tränen kommen hoch. In welchem Luxus bist Du eigentlich unterwegs? Vielleicht brauchen nicht sie Hilfe, sondern die westliche Welt. Hier können wir lernen wie man glücklich sein kann, ohne den europäischen Standard zu erleben.

Das Bild der Zerstörung zieht sich den ganzen Tag hin. Mein Kopf spielt einen Film ab und ich werde immer sprachloser. Das also ist auch ein Teil von Nepal.

Langsam wird mir klar. Ich sehe hier weit mehr als nur eine Landschaft.

Ein -wie soll es anders sein- mega freundlicher Nepali führt uns -ohne uns zu fragen- durch seine Papiermanufaktur. Mit den Augen eines Immobilienmenschen klettere ich die einzelnen Leitern nach oben bis ins Dachgeschoss und hoffe, dass das Haus unter unserem Gewicht nicht zusammen bricht. Diese Risse. Diese Risse. Denk nicht an Statik. Nicht an Statik denken. Auf der „Dachterrasse“ angekommen, erhasche ich einen Blick auf die umliegenden Häuser. Wäsche wird in offenen Gebäuden getrocknet. Offen deshalb, weil es die oberen Etagen nicht mehr gibt. Sträucher wachsen in den Gebäuden. Dort leben Menschen. Waschen ihre Wäsche per Hand. In den gleichen Schalen, in denen auch das Geschirr gespült wird.

Der alte Herr erzählt uns immer noch, was er sein Leben lang gemacht hat. Er ist sichtlich stolz. „Don´t bei greedy“ sei sein Credo. Auf die Frage „sollen wir ihm etwas Geld geben“ bekommen wir die Antwort „Nein, dann wäre er traurig. Vielleicht finden sie ja eine Kleinigkeit und kaufen ihm etwas Papier ab“.

Ich habe fünf selbstgemachte Lesezeichen und ein Notizbuch gekauft. Für umgerechnet 1,50 Euro. Alles selbst eingefärbt und gebunden. Wieviel würde ich da bei Mc Paper für zahlen?


Auf Tuchfühlung mit der Natur

Endlich gehts los. Raus aus dem Staub, ab ins Grüne. Den Annapurna stets im Blick. Unendlich viele Reisfelder. Wunderschöne Bambusbäume, Rhododendron, Kürbispflanzen, Chilisträucher, Marihuanapflanzen, Bananenbäume etc. Ich wusste nicht, dass Nepal so grün ist. Hammer! Und am Horizont immer die schneebedeckten Gipfel.

Sobald unser Reiseleiter die erste Abkürzung erwähnt… krackseln wir auf allen vieren den Hügel hoch. Hügel deshalb weil es ein Hügel ist…. Der Boden ist nur so sandig, dass nicht mal meine Bergstiefel greifen. Als ich ihn frage „Haben wir so etwas beim Trekking auch bergab“ antwortet er „Na klar“. Verdammt, ich brauche Stöcke….

Wir laufen weiter und landen in Nagarkot. Boah ziemlich kalt hier. Mal eben von 1.000m auf knapp 2.000. Es ist ein Unterschied. Warmes Wasser gibts nur von 17.00-22.00 Uhr. Haha…. die Uhrzeiten darf man jetzt mal nicht so ernst nehmen. Warmes Wasser gibts mal und gibts mal nicht. Genauso verhält es sich mit dem Strom. Mal issa da mal issa wech. So ist das hier eben. Wir schmunzeln.


Bandipur, Pokhara

Am Frühstückstisch gibt es noch etwas Besonders. KÄSE!!!! Geil…. Endlich mal wieder Käse…. Wir haben uns über das Buffet her gemacht… Am nächsten Tag war der Käse aus…. So ist das Leben.

Die Fahrt nach Bandipur erweist sich in den ersten 15 Minuten zur Rutschpartie. Der Regen hat den Lehmboden dermaßen aufgeweicht, das wir ins Rutschen kommen. Ohne jegliche Kontrolle rutschen wir den Berg runter. Vor uns stehen ein paar Menschen. Ich sehe von meinem Platz die sich durchdrehenden Reifen. Es ist still im Bus. Angst liegt in der Luft. Ich sehe die Schlagzeile „Reisebus mit deutschen Touristen verunglückt in Nepal“ und denke gleichzeitig „Nein, heute wirst Du noch nicht sterben.“ Wie auch immer der Busfahrer den Bus lenkt (ich kann es nicht sagen) wir landen noch so eben rechtzeitig in der Kurve und stehen. Respekt und Bravo an den Busfahrer! Der ist mal gold wert!!!!

Wir sitzen insgesamt 11 Stunden im Bus. Dank eines mega Staus in Kathmandu und weiter.

Wir fahren vorbei an riesigen bunten Spinnen. Der erste eklige Moment schwindet und es überkommt mich der Gedanke „Ja so ist das eben. Die leben hier und Du bist der Eindringling.“

Trotz dieses für mich so toleranten Gedankens packe ich abends mein „Seideninlet“ aus und schlafe das erste Mal in ihm. Ich ekel mich vor der Bettwäsche im Hotel. Du bist bekloppt, denke ich. Im Nachbarzimmer höre ich ein „Iiiiiihhh“ und anschließend diverse Schläge mit einem Schuh. „Schatz, sie ist tot“. Ich schmunzel. Okay, ich bin nicht die Einzige, die Angst vor Viechern hat.


Trekking geht los ;-)

Die ersten Schritte werden gemacht. Endlich gehts los. Sechs Tage und fünf Nächte. Wir wissen nicht, wo wir schlafen, wie wir schlafen, ob es Wasser gibt, wie kalt es wird und und und… Unsere Sherpas laufen mit den großen Rücksäcken vorweg und wir trotteln hinterher. Laufen sie auf Flipflops, brauchen wir Bergstiefel. Zum Mittagessen habe ich den letzten Kaffee der nächsten Tage getrunken. Ein Magengeschwür will ich nicht unbedingt haben. Den Wurm in meinem Essen erwähne ich nicht großartig, ich lasse es einfach liegen und bin dankbar meine Eiweißriegel dabei zu haben.

Freilaufende Pferde (Mulis), Hunde, Ziegen, Affen…. die Nepali sind wirklich tierfreundlich und vergeben sogar die Essensreste an die Hunde. Kein einziges Tier sieht aus als sei es im schlechten Zustand.

Hatte ich vor Nepal noch Höhenangst, ist diese am ersten Abend verschwunden. Über eine Hängebrücke gelangen wir zur ersten Lodge. Gemeinschaftsdusche und Gemeinschafts-WC. So ist das eben. Spinnen im Zimmer. Macht nichts, sie waren vor mir da und ich respektiere sie. „Bist Du das, Ramona?“

Mit dem Geräusch von Wasserfällen und Bäumen schlafen wir ein. Zum Frühstück haben wir die Wahl zwischen Eiern, Omelette, Pfannekuchen, tibetischem Brot, Nepalibrot…. nicht übel für so ne Hütte. Es geht schlappe 1.000 Höhenmeter nach oben. Treppe auf, Treppe auf, Treppe auf…. Pausen circa alle 60 Minuten. Lunch gibts im „Hungry Eye“. Der Name ist Programm.

Den Annapurna haben wir ständig im Blick und sind überwältigt. Von der Landschaft und unserer Leistung. ;-) Um 17 Uhr kommen wir an. Wir sind auf 2.800m. Im Zimmer sind nur 5 Grad. Draußen unter Null. Geschlafen wird mit Schlafsack, Inlet, drei Lagen Merinozeug, Mütze, Schal, Handschuhe, zwei Paar Wandersocken, also quasi wie ein Eskimo.

Wir laufen los. 1.000 m nach unten und das Gleiche wieder rauf. Hach wie ist das schön. Die zweite Nacht auf 2.880 m wartet auf uns. Es wird kalt!

04.15 Uhr… klingelt der Wecker. 500 Höhenmeter hoch zum Poon Hill. Was tut man nicht alles für einen Sonnenaufgang? Natürlich bin ich dabei. Um fünf denke ich kurz fluchend „Warum noch mal?“

06.15 Uhr… der Vollmond geht unter. Die Sonne geht auf. Das Annapurnamassiv wird angestrahlt. Ich frage nicht mehr nach dem Warum und lege die Kamera weg. Atemberaubend.

08.00 Uhr…. nach dem Frühstück gehts erneute 500 Höhenmeter zum Gurung Hill. Hahahaha…. Heute wird’s sportlich. Erste Krankenverluste in unserer Gruppe, die mit Ponyservice transportiert werden.

Ab mittags verlassen wir die Höhe und landen im Rhododendronwald. Wow… ist das schön! Bäume ohne Ende, immer am Fluss entlang, kleine Bäche über die wir laufen. Brücken und natürlich Felsen über die wir stolpern. Aber einfach schön. Mittendrin statt nur dabei.

Die Lodge abends ist ne „kleine“ Nummer schlechter als die anderen…. bis zu einer bestimmten Sekunde…. Unser Reiseleiter steht mit ner Flasche Rum vor uns…es gibt RUM!!!! Die Hütte ist super super super. Gedanken an die Dusche und das WC sind weg… Tee mit Rum. Die Stimmung steigt. Nach den ganzen Tagen ohne Alkohol und in der tollen Höhenluft merkt man am nächsten Morgen die zwei Tee mit Rum im Kopf. Ich bin sichtlich müder als sonst. Die Kälte habe ich dafür gar nicht mehr so gemerkt im Bett… Rum ist eben toll!

Da wir ja jetzt Profis im Trekking sind, sind wir ab Mittags in der Lodge. O-Ton Reiseleiter: „Da habt Ihr Zeit zum Einkaufen“.

Zwei Schwestern, die am Webstuhl sitzen und wir sind völlig fasziniert. Wir sehen hier live und in Farbe, wie die Schals produziert werden.

Tja, die Schwestern sind sich ihres Monopols durchaus bewusst und die Preise sind jetzt naja für Nepaliverhältnisse kein Schnapper. Aber egal…. Ein Blick in den Wohnraum (natürlich habe ich mir wieder die Birne gestoßen beim Betreten der Hütte). Vor Kopf Regalbretter mit den Schals. Links zwei Betten, eine Kochstelle, ein Minitisch. Sie leben hier. Die Wände sind nackte Steine, der Boden besteht aus Erde. Insgesamt Höhe ca. 1,70 m und Größe circa 35 qm.

Als sie uns anbieten die Schals draußen vor dem Spiegel zu testen, kommt was kommen musste „Es ist so merkwürdig. Wir haben uns schon so lange nicht mehr im Spiegel gesehen“. Ja das stimmt…. das Spiegelbild kann bei einem Trekking schon mal irritieren.

Mit unserem Errungenschaften in der Hand werden wir fast von einem Muli überrannt „Achtung, laufendes Pony von hinten“ ist das letzte was ich höre und springe zur Seite. „Danke“ rufe ich meiner Begleitung zu.


Wir wandern wir aufs Neue los. Heute laufen wir wieder nur 5-6 Stunden. Hahaha… das war Nepalizeit. Wir laufen 9 Stunden! Ab Stunde 6 sinkt die Moral. Eine Stunde Treppe rauf, eine Stunde Treppe runter, sieben Stunden Serpentinenstraße. Das Einzige was hilft, wir haben circa 12 Grad. Im Schlepptau haben wir erst einen Hund, am Ende sind es vier. Zwischendurch treffen wir auf Kühe und Ziegen und stellen uns im leicht benebelten Kopf Phantasien vor, wir würden mit allen Tieren in den nächsten Ort einreisen.

Letzter Tag… wir laufen los und haben nur noch drei Stunden zu wandern. Die Stimmung ist ausgelassen, die Landschaft der Hammer wie eh und je… Tschüß Annapurna :-( …

Als wir unsere Koffer packen, stellen wir fest „Etwas viel gekauft“, ich trenne mich von ersten alten T Shirts und gebe sie an die Einheimischen, sie können sie besser brauchen als ich.


Rückfahrt

Am letzten Tag fahren wir insgesamt 10 Stunden von Pokhara nach Kathmandu, ein Flug für 100 Euro wäre sinnvoller. Wieder kommt dieser Schockzustand. Eine Woche Berge und ich hab vergessen, wie die Lage hier unten ist. Meine Lunge fängt bei dem ganzen Staub an zu rebellieren. Alles um uns herum ist grau. Die Lungen der Menschen hier müssen auch so aussehen. Beim Putzen meiner Nase wird mir schlecht.

Es hat wieder was vom Science Fiction „Reiche gute Welt vs. arme schlechte Welt“.

Und trotzdem ist da diese Zufriedenheit. Kinder flechten sich wieder ihre Zöpfe, Jungs spielen Fußball. Erwachsene Männer spielen Badminton auf der Straße.

Sie schlafen auf dem nackten Boden und kehren vor ihrer Haustür. Ich muss die Logik nicht verstehen.

Kühe überqueren die Straße und wir halten natürlich an. Hunde futtern sich durch Müllberge.

Sie verbrennen den Müll in Tonnen und entzünden ganze Müllberge. Wie war das noch mit dem Dieselskandal???

Hupend werden wir ständig überholt. Unser Fahrer beweist mal wieder absolutes Talent. Sie bedanken sich bei Überholmanövern gegenseitig. Eine falsche Bewegung und ein Bus landet im Graben. Wie sie da unten im Graben liegen haben wir heute schon mehrfach gesehen. In Deutschland wird sich nicht bedankt, die Streithähne steigen höchstens aus und hauen sich gegenseitig einen aufs Maul.

Die Kids spielen wieder zwischen den Ruinen, ein Abenteuerspielplatz der ständig zusammen brechen kann. Schrottautos und olle LKW´s stehen an den Straßen. Die Händler nehmen sie als Schattenspender und legen ihre Ware teilweise auf die alten Motorhauben. Es geht eben alles. Es muss nichts perfekt geplant sein.

Fazit:

Landschaftlich der absolute Wahnsinn…. von der Menschlichkeit, dem Gefühl des Füreinanderdaseins und der überwältigenden freundlichen Zurückhaltung verbunden mit tiefem Respekt können wir alle etwas lernen.




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